Wer einen Bautrockner mieten oder kaufen will, stößt schnell auf zwei Begriffe: Kondenstrockner und Adsorptionstrockner. Beide holen Wasser aus der Luft, aber auf völlig unterschiedliche Weise. Das hat Folgen. Ein Gerät, das im Juli im Neubau hervorragend arbeitet, schafft im Januar in einer ungeheizten Garage fast nichts mehr. Kondenstrockner oder Adsorptionstrockner? Die Antwort hängt weniger vom Gerät ab als von Ihrer Baustelle, und dort vor allem von der Temperatur im Raum.
So arbeitet ein Kondenstrockner
Ein Kondenstrockner funktioniert im Prinzip wie ein Kühlschrank mit Ventilator. Das Gebläse saugt feuchte Raumluft an und führt sie über einen kalten Verdampfer. Dort kühlt die Luft unter ihren Taupunkt ab, der Wasserdampf kondensiert an den Lamellen und tropft in einen Behälter oder wird per Pumpe abgeleitet. Danach strömt die Luft über den warmen Verflüssiger zurück in den Raum, trockener und ein paar Grad wärmer als vorher.
Bei normalen Temperaturen ist diese Technik sehr effizient. Zwischen etwa 15 und 30 °C holt ein Kondenstrockner pro Kilowattstunde mehr Wasser aus der Luft als jedes andere Verfahren. Deshalb stehen auf den meisten Baustellen in Deutschland genau solche Geräte. Auch unser Bautrockner KT50 LP arbeitet nach diesem Prinzip und schafft bis zu 50 Liter am Tag.
Die Schwäche zeigt sich, sobald es kalt wird. Kalte Luft trägt weniger Wasser, und der Verdampfer rutscht immer näher an den Gefrierpunkt. Unter etwa 10 °C sinkt die Entfeuchtungsleistung spürbar. Nahe 5 °C setzt sich Eis auf den Lamellen fest, das Gerät muss regelmäßig abtauen und ist dann eine Weile mit sich selbst beschäftigt statt mit Ihrer Wand.
So arbeitet ein Adsorptionstrockner
Ein Adsorptionstrockner kühlt gar nichts ab. Sein Herzstück ist ein langsam drehender Rotor, beschichtet mit Silikagel. Dieses Material bindet Wasserdampf an seiner inneren Oberfläche, und die ist enorm: Ein Gramm Kieselgel kommt laut BauNetz Wissen auf 800 bis 1.000 Quadratmeter. Die Raumluft strömt durch einen Teil des Rotors und lässt dort ihre Feuchtigkeit zurück. Gleichzeitig bläst das Gerät heiße Luft durch einen anderen Abschnitt, löst das gebundene Wasser wieder heraus und schickt diese feuchte Luft über einen Schlauch nach draußen.
Weil keine Kondensation nötig ist, funktioniert das auch bei Frost. Je nach Modell entfeuchten Adsorptionstrockner bis in den deutlichen Minusbereich und liefern dabei sehr trockene Luft. Genau das braucht man, wenn Feuchtigkeit aus der Dämmschicht unter einem Estrich gesaugt werden soll oder ein Rohbau im Winter ohne Heizung trocknen muss. Bezahlt wird dieser Vorteil mit Strom: Das Beheizen des Rotors kostet bei warmen Bedingungen deutlich mehr Energie pro Liter als beim Kondenstrockner.
Kondenstrockner oder Adsorptionstrockner: 5 Unterschiede, die auf der Baustelle zählen
| Kondenstrockner | Adsorptionstrockner | |
|---|---|---|
| Ideale Temperatur | ca. 15 bis 30 °C | auch unter 10 °C und bei Frost |
| Strom pro Liter bei 20 °C | niedrig | deutlich höher |
| Wohin das Wasser geht | Behälter, Schlauch oder Pumpe | als feuchte Abluft nach draußen |
| Erreichbare Trockenheit | gut für Räume und Wände | sehr trocken, auch für Dämmschichten |
| Typischer Einsatz | Neubau, Renovierung, Wasserschaden im Wohnraum | Winterbaustelle, Dämmschichttrocknung, kalte Lager |
1. Die Raumtemperatur. Das ist der wichtigste Punkt, und er entscheidet oft schon allein. In einem beheizten oder sommerlich warmen Gebäude arbeitet der Kondenstrockner klar besser. Liegt die Temperatur dauerhaft unter 10 °C, spielt der Adsorptionstrockner seine Stärke aus.
2. Der Stromverbrauch. Ein Kondenstrockner wie der KT50 LP nimmt maximal 790 Watt auf. Adsorptionsgeräte mit vergleichbarer Leistung liegen meist darüber, weil sie ständig Luft auf hohe Temperaturen aufheizen. Bei 20 °C gewinnt der Kondenstrockner diesen Vergleich deutlich. In der Kälte dreht sich das Bild: Dann zieht der Kondenstrockner zwar weiter Strom, liefert aber kaum noch Wasser. Wie Sie die Betriebskosten konkret ausrechnen, steht in unserem Beitrag zum Stromverbrauch von Bautrocknern.
3. Wohin das Wasser geht. Beim Kondenstrockner landet das Wasser sichtbar im Tank oder läuft über einen Schlauch in den Abfluss. Beim Adsorptionstrockner verlässt es den Raum als warme, feuchte Abluft. Sie brauchen also eine Öffnung nach draußen, etwa ein gekipptes Fenster mit Schlauchdurchführung. Wer das vergisst, pustet die Feuchtigkeit einfach wieder in den Raum.
4. Wie trocken die Luft wird. Für Wände, Putz und Estrich in einem normalen Raum reicht ein Kondenstrockner völlig. Wenn Wasser aber in einer Dämmschicht unter dem Estrich steht, saugt man die Luft mit einem Verdichter durch Bohrlöcher ab. Dafür braucht es extrem trockene Zuluft, und die liefert nur das Adsorptionsverfahren.
5. Kosten und Handhabung. Kondenstrockner sind robust, verbreitet und günstig zu mieten. Adsorptionstrockner sind oft kompakter und leichter, aber in der Miete teurer und ohne Abluftschlauch nicht sinnvoll zu betreiben. Für ein einzelnes Bauvorhaben lohnt sich ein eigener Adsorptionstrockner selten.
Adsorptionstrockner oder Kondenstrockner: was passt zu welcher Baustelle?
Neubau und Renovierung im beheizten Gebäude
Hier ist der Kondenstrockner die richtige Wahl. Sobald die Heizung läuft oder draußen über 15 °C herrschen, arbeitet er effizient und zuverlässig. Wann Sie nach dem Estrich loslegen dürfen, erklären wir im Beitrag Bautrockner nach dem Estrich.
Winterbaustelle ohne Heizung: Kondenstrockner oder Adsorptionstrockner?
Bei 3 °C im Rohbau kommt ein Kondenstrockner an seine Grenze. Sie haben zwei Möglichkeiten: Entweder Sie heizen den Raum mit einem Bauheizer auf mindestens 10 bis 15 °C und trocknen dann mit dem Kondenstrockner, oder Sie setzen einen Adsorptionstrockner ein. Die erste Variante ist auf kleineren Baustellen oft die praktischere. Wie das im Detail funktioniert, lesen Sie in unserer Anleitung Estrich trocknen ohne Heizung.
Wasserschaden mit nasser Dämmung
Ist Wasser unter den Estrich gelaufen, etwa nach einem Rohrbruch, reicht ein Gerät im Raum nicht aus. Dann wird die Dämmschicht gezielt mit Adsorptionstechnik getrocknet. Das ist ein Fall für einen Fachbetrieb wie unseren Partner Trocknungstechnik Brauer, der die technische Bautrocknung mit Messung und Protokoll übernimmt.
Feuchter Keller
Keller liegen das ganze Jahr meist zwischen 10 und 16 °C. Ein Kondenstrockner arbeitet dort noch ordentlich, wenn auch nicht mit voller Leistung. Erst in sehr kalten, unbeheizten Kellern lohnt sich der Blick auf ein Adsorptionsgerät. Mehr dazu finden Sie unter Luftentfeuchter im Keller.
Für die meisten Bauherren und Handwerker ist die Frage Kondenstrockner oder Adsorptionstrockner damit schnell geklärt: Im warmen Gebäude nimmt man den Kondenstrockner, in der Kälte oder für Dämmschichten die Adsorption. Wenn Sie einen leistungsstarken Kondenstrockner brauchen, können Sie den KT50 LP bei uns ab 10 € pro Tag mieten oder direkt kaufen. Worauf Sie beim Kauf achten sollten, steht in unserem Ratgeber zum Bautrockner-Kauf.
Häufige Fragen
Ja, solange der Raum warm genug ist. Entscheidend ist nicht die Jahreszeit, sondern die Temperatur am Gerät. In einem beheizten Haus arbeitet ein Kondenstrockner im Januar genauso gut wie im Sommer. In einem kalten Rohbau unter 10 °C lässt die Leistung dagegen deutlich nach.
Nicht grundsätzlich. Er ist besser in der Kälte und bei sehr trockenen Zielwerten. Bei normalen Raumtemperaturen ist der Kondenstrockner effizienter und günstiger im Betrieb.
Das Gerät sammelt das Wasser nicht in einem Tank. Es gibt die Feuchtigkeit mit der warmen Regenerationsluft ab, und diese Luft muss nach draußen. Ohne Schlauch landet sie wieder im Raum.
Ja, das ist bei größeren Wasserschäden sogar üblich. Der Adsorptionstrockner versorgt die Dämmschichttrocknung, ein oder mehrere Kondenstrockner entfeuchten die Raumluft und die Wände.
Bei Raumtemperaturen über 15 °C ist es fast immer der Kondenstrockner. Unter 10 °C kann der Adsorptionstrockner pro Liter entferntem Wasser sparsamer sein, weil der Kondenstrockner dort kaum noch Wasser schafft.